Beiträge

Mnyaka Sururu Mboro ist 1951 geboren. Er ist Tansanier und Mitgründer der NGO Berlin Postkolonial e.V. Er setzt sich seit den 1980er Jahren für die Anerkennung und eine kritische Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit. Er leitet Rundgänge im sogenannten „Afrikanischen Viertel“ in Berlin und ist Vorstandsmitglied des Bündnis Decolonize Berlin e.V.  Hier erzählt er uns von seiner persönlichen Erfahrung mit kolonialem Blick auf Geschichtserzählung und gibt uns einen Vorschlag für einen kritischen Umgang mit der so-genannten „Spitze des Kilimandscharo“ im Neuen Palais in Potsdam. → mehr lesen

In der Weinbergstraße 9 steht ein Haus aus gelblichen Backsteinen. Dieses Haus wurde 1843 für einen Mann namens Fung Ahok gebaut. Ahok war damals ein berühmter Potsdamer: Er war einer der ersten Chinesen in Preußen. Die Geschichte dieses Mannes und seines Kollegen Fung Asseng ist mit der Entwicklung der Chinastudien in Deutschland verbunden. Aber sie verweist auch auf den kolonialen Handel und die Rassenanthropologie. → mehr lesen

Farai von Pentz: Wahrscheinlich über Umwege bin ich dann durch den Park gefahren und direkt an diesem sogenannten M*Rondell vorbei. Also bin ich diesem Rondell begegnet, sogar bevor ich an der Uni eingeschrieben war. Es ist mir natürlich sofort aufgefallen – als Schwarze Person springt mir das sofort ins Auge. Wenn man durch so ein Park fährt, der wenn man ohne Kontext durchgeht, so märchenhaft und traumhaft ist, überall sind schöne Gebäude und Statuen. Und dann plötzlich standen diese Statuen aus schwarzem Marmor vor mir. Ich bin auf jeden Fall angehalten und musste mir das angucken. Das hat mich zum Grübeln gebracht, mein Gefühl war: was macht das hier? Wie passen diese Statuen hier rein?

Angelo Camufingo: Der Park Sanssouci und dementsprechend auch das M*Rondell sind ziemlich feste Bestandteile meiner Schulzeit. Ich bin in Potsdam zur Schule gegangen und für nahezu jeden Wandertag oder Aktionstag o.ä. waren wir in irgendeinem Teil des Parks. Wenn wir als Klasse davorstanden oder daran vorbeigegangen sind, habe ich mich oder meine Familie als komisch adressiert und beleidigt empfunden. Ich wusste einfach, dass die Menschen, die dort abgebildet wurden, nicht mit der gleichen Freiheit oder dem gleichen Wert angesehen oder abgebildet wurden wie andere Figuren. Ich wusste, es ging nicht um die Schönheit, Stärke und Ästhetik Schwarzer Menschen. Das M*Rondell verkörpert für mich Versklavung, Rassismus, Kolonialismus, und die komplette Entwürdigung von Menschen, deren Ausbeutung für den Reichtum und die Macht des Westens und einer weiß-politischen Mehrheitsgesellschaft verantwortlich ist. → mehr lesen

Im Park Sanssouci gibt es ein Rondell, das als “M-Wort-Rondell” bekannt ist. In der Namensgebung scheiden sich die Geister. 2014 wurde in Potsdam sogar eine Umbenennungsdebatte angestoßen: Einige ortsansässige Stimmen stellten öffentlich Infrage, ob M-Rondell noch ein zeitgemäßer Name sei. Tatsächlich handelt es sich bei dem M-Wort um das älteste deutsche Wort für Schwarze Menschen. […] Schon zu Zeiten des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im 17. Jahrhundert etablierte sich in Europa die Mode, Bedienstete aus anderen Ländern zu haben. Afrikaner*innen waren besonders beliebt, weil sie als ausgesprochen „exotisch“ angesehen wurden. Der Große Kurfürst bestellte sogar Afrikaner*innen bei dem Seefahrer Benjamin Raule als wären sie Ware. Raule unternahm in Friedrich Wilhelms Auftrag eine Expedition an die afrikanische Goldküste. Die Afrikanter*innen, die Raule und andere nach ihm für den Dienst bei Hofe nach Brandenburg brachten, wurden Hof-M. genannt. Sie mussten Turbane tragen, sowie Silberringe um den Hals und an den Ohren. Diese Merkmale kennzeichneten sie als Leibeigene. Diese Diener*innen hatten wenig bis gar keine Rechte, auch wenn sie einen geringeren Lohn erhielten. Der Hof-M. steht für das Phantasma des unterwürfigen Dieners aus Afrika. → mehr lesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Stefan Theilig

Die Garnisonkirche ist ein Wahrzeichen Potsdams. Zu der Kirche selbst gibt es eine lange Geschichte. Im 2. Weltkrieg brannte sie aus, dann wurde sie von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands gesprengt und 2017 begann der Wiederaufbau . Uns interessiert sie vor allem wegen ihrer kolonialen Bezüge. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wurden in der Garnisonkirche Schwarze Menschen und People of Color zwangsgetauft.

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Dies ist ein Gastbeitrag von Lillian Dam Bracia.

Das holländische Viertel in Potsdam ist nicht größer als vier Häuserblöcke, wird aber gerne „kleines Amsterdam“ genannt. Dieses Viertel steht für die preußisch-niederländische Freundschaft. Jedes Jahr am ersten Dezemberwochenende wird das niederländische Sinterklaasfest auch in Potsdam gefeiert. Dafür reisen viele niederländische Schausteller*innen und Kunsthandwerker*innen an. Der Verein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam richtet es aus. Sowohl Preußens Verbindung mit den Niederlanden vor einigen hundert Jahren, als auch das Sinterklaasfest heutzutage verweisen auf koloniale Zusammenhänge… → mehr lesen

Wenn Sie die Hauptallee des Park Sanssouci aus Richtung der Innenstadt betreten, finden Sie dort einen Obelisken. Der Obelisk ist Teil der Ost-West-Achse durch den Park, die auch als Achse der Macht, des Sieges und Triumphes gedeutet werden kann. Die Parkgestaltung – der Obelisk und alle Rondelle und Skulpturen im Park Sanssouci – können als verschlüsselte Botschaften verstanden werden. Die künstlerische Ausstattung des Gartens von Sanssouci geht im Kern auf Friedrich den Großen zurück. Der Park Sanssouci kann als Ebenbild seiner Lebenshaltung und Weltanschauung verstanden werden. Friedrich der Große skizzierte oft eigenhändig Gestaltungsvorschläge für Architektur und Gärten… → mehr lesen

Das sogenannte Oranierrondell ist eines der größten Rondelle im ganzen Park Sanssouci. Die Büsten, die es beinhaltet, stellen niederländische Adelige dar. Die Niederländer*innen und Preuß*innen waren durch verschiedene Eheschließungen miteinander verwandt. Zudem kann das Oranierrondell und seine Größe als Geste des Respekts gegenüber den Freund*innen und Verwandten in den Niederlanden verstanden werden. In Preußen wurden die Niederlande als Vorbild angesehen: Sie waren beeindruckende Baumeister, hatten ein riesiges Imperium aufgebaut und trieben weltweiten Handel. Das Oranierrondell möchten wir als Aufhänger nutzen, um über die Machenschaften des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zu sprechen. Er lebte von 1640 bis 1688. Uns interessieren Friedrich Wilhelms Verbindungen zu den Niederlanden und seine Bestrebungen an der afrikanischen Goldküste kolonialen Besitz zu erwerben… → mehr lesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Fabienne Imlinger

Das Schloss Sanssouci ist das Herzstück des Park Sanssouci. Wir nutzen es im Folgenden, um uns mit Sichtbarkeit und Geschichtsschreibung beschäftigen. Dafür schauen wir in die Geschichte des Karibikstaats Haiti. 1813 wurde dort das namenverwandte Schloss Sans-Souci fertiggestellt. Selbstverständlich stellt sich die Frage, ob es irgendeine Verbindung zwischen Sanssouci in Potsdam und Sans-Souci auf Haiti gibt.

Jahrelang hat der architekturbegeisterte König Henry I persönlich die Bauarbeiten überwacht. Doch Sans-Souci ist mehr als ein opulenter Königssitz. Es ist ein Monument für die Nation, die sich von Sklaverei und Kolonialismus befreit hat. Zehn Jahre liegt der Sieg gegen die französische Kolonialmacht zurück. Die Unabhängigkeitserklärung datiert symbolträchtig auf den 1. Januar 1804. Doch keine der europäischen Großmächte erkennt den neuen Staat an. … → mehr lesen

Neben dem chinesischen Haus, das ein wahrer Blickfang ist, steht der einzige tatsächlich asiatische Gegenstand in ganz Sanssouci. Es handelt sich um ein vergleichsweise unscheinbares Räuchergefäß aus Siam. Das Königreich Siam umfasste Teile des heutigen Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. Siam wurde wegen des diplomatischen Geschicks seines Königs Chulalongkorn nie kolonisiert….→ mehr lesen

…Friedrich der Große ließ dieses Haus 1754 errichten. Heute wird es als eins der bedeutendsten Monumente der europäischen Chinoiserie verstanden. Die Chinoiserie beschreibt eine Chinabegeisterung, eine europäische Mode des 18. Jahrhunderts. Man stellte sich das ferne China als ein von Vernunft regiertes Land vor. China galt als Vorbild in gutem Geschmack. Aber kaum ein*e Europäer*in war zu der Zeit tatsächlich schon mal in China gewesen. Ohne unmittelbares Wissen und weit weg von China entstand also die Architektur, Kunst und Literatur der Chinoiserie. Friedrich der Große war begeistert von dieser Mode. Er verfasste selbst unter einem ausgedachten chinesisch klingenden Pseudonym mehrere, philosophische Briefe. Mit dem Teehaus hier im Park Sanssouci errichtete er dem idealen China seiner Fantasie einen Tempel. Nichts an dem Haus hat tatsächlich etwas mit chinesischer Kunst zu tun. Das Haus entspringt den Vorstellungen und Interessen seines Erbauers…→ mehr lesen

Das Orangerieschloss ließ sich Friedrich Wilhelm IV. zwischen 1851 und 1864 bauen. Es diente hauptsächlich zur Überwinterung von tropischen Kübelpflanzen aus dem Park Sanssouci. Die Verbindung dieses Gebäudes mit der deutschen Besetzung Chinas ist wenig bekannt. Doch zwischen 1901 und 1919 wurden in der Orangerie außerdem astronomische Instrumente aus China ausgestellt. Die hatte das deutsche Militär nach dem sogenannten „Boxeraufstand“ bei einer Plünderung in Beijing mitgenommen. Heute stehen die astronomischen Instrumente nicht mehr in der Orangerie. Aber wir wollen uns diese Geschichte trotzdem einmal genauer anschauen. Wir werden dabei feststellen, dass Boxeraufstand eine Fremdbezeichnung ist. In China selbst wurde dieser Konflikt zw. China und Europa als Gerechtigkeitsbewegung verstanden… → mehr lesen

… Die prächtigsten Räume im Neuen Palais sind der Marmorsaal und Grottensaal. Die Wände des Grottensaals sind mit hunderten Steinen und Muscheln dekoriert. Das galt damals als modisch. Unter der europäischen Aristokratie waren Steine und Muscheln ein beliebtes Geschenk.- Sie wurden von Entdeckern – zumeist Männern – an fernen Orten gesammelt und nach Europa gebracht. Diese Mitbringsel und Deko-elemente betrachteten die Adeligen als exotisch und Beweis für ihre Weltgewandtheit. Unter den Steinen im Neuen Palais befindet sich einer, der uns besonders interessiert. Dieser Stein ist an einem Miniaturberg an der nördlichen Wand befestigt. Darunter steht geschrieben: „Spitze des Kilimandscharo – 1890“… → mehr lesen

Unsere Initiative „Postcolonial Potsdam“ entstand im Jahr 2014. Damals organisierten einige unserer Mitglieder eine Konferenz zu „Postkolonialer Gerechtigkeit“. Die Konferenz fand auf dem Campus am Neuen Palais der Universität Potsdam statt. Wissenschaftler*innen kamen von weit her, um sich mit kolonialen Ungleichheiten und Diskriminierung zu befassen. Es wurde viel über Australien und Afrika gesprochen. Während wir über die Auswirkungen der Kolonialherrschaft in der ganzen Welt lernten, fragten wir uns: Was ist eigentlich mit Potsdam?

Vor dem Neuen Palais gibt es zwei Statuen, die unser Interesse weckten. Sie stellen zwei Schwarze Männer dar. Wir fragten uns damals: Was ist ihr Zweck? Wer stand wohl Modell für diese Statuen? Waren es Personen, die in Potsdam lebten?… → mehr lesen

Oduor Obura ist ein kenianischer Autor und Wissenschaftler. 2016-2020 ist er Doktorand an der Universität Potsdam gewesen. Er hat über die afrikanischer Kindheit und die koloniale Geschichte von Museen geschrieben. Für Potsdam Postkolonial gibt er uns seine Perspektive auf die vier Figuren von Schwarzen Menschen im Park Sanssouci und die Präsenz der angeblichen „Spitze des Kilimandscharo“ im Neuen Palais.

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Am 30.11.2019 haben wir einen Workshop in Räumlichkeiten der Universität Potsdam veranstaltet, um in einer kleinen Gruppe den Inhalt für einen kolonial- und migrationshistorischen Audioguide für Potsdam zu diskutieren.  Zu diesem Zweck haben Teilnehmende kleine Impulsvorträge mitgebracht, die jeweils einen für den Audioguide relevanten Aspekt – einen Ort, Gegenstand oder eine Person – vorstellten. In den Diskussionen zu den Vorträgen haben wir gemeinsam die wichtigsten inhaltlichen Stichpunkte gesammelt, Lernziele besprochen und weitere Ideen und Kommentare festgehalten… → mehr lesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Naomie Gramlich und Lydia Kray.

Im folgenden Text, der auf dem ersten Textteil unserer Beschäftigung mit der Kolonialgeschichte des botanischen Gartens in Potsdam basiert, gehen wir auf die Kolonialgeschichte der botanischen Gärten anhand zweier Momente ein: der Gestus der westlichen Wissenschaftler*innen und die Restitution der Pflanzen… → mehr lesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Naomie Gramlich und Lydia Kray.

Botanische Gärten als koloniale Orte zu verstehen, scheint besonders schwer zu fallen: zu unschuldig, zu prächtig und zu lebendig präsentieren sich ihre pflanzlichen Bewohner*innen, um in Verbindung mit kolonialer Gewalt, weißer Aneignung und hegemonialen Wissenschaftssystemen gebracht zu werden. Sich vor Augen zu führen, aus welchen Ländern, die Pflanzen stammen, und zu welcher Zeit sie nach Europa gekommen sind, verrückt die Brille, die auch wir als leidenschaftliche Besucherinnen* dieser Einrichtungen tragen. Um damit zu beginnen, die verdeckten kolonialen Schichten nachzuzeichnen, haben wir den Kustos des Potsdamer botanischen Gartens, Dr. Michael Burkart getroffen. Er gab uns einen Einblick in seine bisher nicht verschriftlichte Geschichte mit seinen kolonialen Bezügen. Dieser Text geht von diesem Gespräch aus und fragt im Anschluss daran nach den Herkünften, Bewegungen und möglichen Rückgaben der Pflanzen. Wir wollen die aktuelle Debatte um die Restitution von afrikanischen Kulturgütern zum Anlass nehmen, die Fragen um das koloniale Erbe auch für botanische Gärten zu stellen… → mehr lesen

Bundesnetzwerk fordert Anerkennung von Kolonialismus als Unrechtsherrschaft.

Am 25. November 2018 jährt sich das Ende des deutschen Kolonialreichs in Afrika, Ozeanien und Asien zum 100. Mal. Die brutale Durchsetzung deutscher Interessen während der 35-jährigen direkten Kolonialherrschaft kostete schätzungsweise einer Million Menschen – vor allem afrikanischer Herkunft – das Leben. Nicht nur Deutschlands Genozid an den Herero und Nama, sondern auch der Maji-Maji-Krieg und der Feldzug Lettow-Vorbecks im Ersten Weltkrieg in Ostafrika waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. → mehr lesen

Als wir in SchwarzRunds Roman Biskaya über das Gemälde von Achmed im Schloss Glienicke gelesen haben, beschlossen wir, es uns mal anzusehen. Im Juli 2018 machten wir also einen kleinen Postcolonial Potsdam-Team Ausflug zum Schloss Glienicke… → mehr lesen

In Kooperation mit Carpus e.V, der Initative Schwarze Menschen in Deutschland, Berlin Postkolonial, Leipzig Postkolonial, Dresden Postkolonial sowie der Schwarzen Diaspora Hochschulgruppe Uni Potsdam haben wir die Broschüre „Kolonialrassismus und WIderstand. Globales (Geschichts-)Lernen in Berlin, Dresden, Leipzig und Potsdam” herausgebracht… → mehr lesen

schwarzrund

Ein Interview mit SchwarzRund

Postcolonial Potsdam: Wer bist du?

SchwarzRund: Ich bin SchwarzRund, mittlerweile ist das ganz offiziell mein Künstlerinnen*name. Es begann als Blog Name, mittlerweile veröffentliche ich alles Künstlerische und Wissenschaftliche darunter. Ich bin eine Schwarze Dominikaner*in in Deutschland mit beiden Pässen, welche in verschiedenen Bereichen arbeitet. Storytelling und Poem/Performancetexte sind das Herz meiner Arbeit, aber auch Malen, Geschichten schreiben und Online-Ranting sind mir total wichtig, in meinem Aktivismus, aber auch mir selbst zu liebe… → mehr lesen

Am zweiten Dezemberwochenende diesen Jahres (2016) wurde in Potsdam wieder die Ankunft des holländischen Sinterklaas und seiner Begleiter, den Schwarzen Pieten, gefeiert. Die Stadt gefällt sich darin, ihre Internationalität und angebliche Weltoffenheit hervorzuheben. Potsdam hat nicht nur das Holländische Viertel, ein paar Straßen, die einer niederländischen Stadt mit roten Backsteingebäuden nachempfunden sind. Es gibt auch ein russisches Viertel, mit Holzhäusern in russischem Stil und im Park Sanssouci befindet sich ein – nach europäischer Vorstellung – chinesisch aussehendes Teehaus. Darüber hinaus beherbergen die zahlreichen Schlösser in der Region Potsdam viele vornehmlich gestohlene Gegenstände aus dem Globalen Süden, die von aufmerksamkeitssuchenden weißen „Entdeckern“ während der Kolonialzeit nach Potsdam gebracht wurden und sich seitdem hier befinden…

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In den letzten Monaten kam es zu drastischen politischen Veränderungen in der Welt. Dabei denken wir zunächst an das Referendum in Großbritannien, das über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union entschieden hat – kurz und knackig: Brexit. Wie der ehemalige Premier Minister David Cameron selbst und unzählige Brit*innen, haben wir bis zu dem Morgen, an dem die Entscheidung bekannt gegeben wurde, nicht daran glauben können. Brexit kann als ein Symbol für eine erneute und verstärkte Abgrenzung von westlichen Nationalstaaten gelesen werden, die sich als einheitlich ‘weiß’ imaginieren und diesen Status schützen wollen, wenn nötig mit Zäunen, Mauern und vermehrt militärischen Maßnahmen. Der Slogan von Brexit ist „take back control“, was tatsächlich bedeutet, dass eine unverantwortliche, ungewählte, rechte Gruppe von Menschen – Theresa May, Boris Johnson, Liam Fox und David Davis – nun die Kontrolle übernommen haben. Was jetzt noch nur alarmierende Worte sind, kann schon bald Stück für Stück umgesetzt werden…

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Vom 4. bis zum 7. Mai 2016 fand in den Berliner Sophiensaelen die Lecture Performance Schädel X der Produktion Flinn Works statt. Dank eines eindrucksvollen historischen Forschungsaufwands zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und des Berichts von Gerhard Ziegenfuß gelingt es der Vorstellung, an die Sammelwut der Deutschen zu erinnern, die menschliche Gebeine damals kolonisierter Völker en masse nach Europa verschleppten. Sie setzt sich sowohl mit dem jetzt anerkannten Völkermord an den OvaHerero und Nama im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika als auch mit der  Kolonialgewalt im Kilimandscharo-Gebiet des damaligen Deutsch-Ostafrika (heutige Tansania) auseinander… → mehr lesen

Dies ist ein Gastbeitrag von Lars Eckstein, Professor für Anglophone Literaturen und Kulturen außerhalb der USA und GB an der Universtität Potsdam. In dem Text wird zu Erklärungszwecken diskriminierende Sprache reproduziert. Wir distanzieren uns von der Verwendung dieser Wörter, möchten aber verdeutlichen worum es in einer Debatte um Political Correctness geht: Es geht nicht um Denk- oder Sprechverbote, sondern um die Verdeutlichung, dass jedes Wort, das wir benutzen, bewusst oder unbewusst eine politische Entscheidung ist (es gibt nämlich Auswahlmöglichkeiten). Das Ausmaß der Verletzungen, die bestimmte Begriffe und Bilder hervorrufen, und ihr geschichtlicher Hintergrund werden im Folgenden explizit erläutert.

Darf man dazu ‚Negerkuss‘ sagen? Oder ‚Mohrenkopf‘, so wie meine Mutti gesagt hat, und so wie meine Freunde auch immer noch sagen, und die meinen das ja nicht so? Oder muss ich dazu, weil ich Hochschullehrer bin, ,Schaumkuss‘ sagen? Diese Frage wirft das Cover der April-Ausgabe der Zeitschrift Forschung & Lehre vordergründing auf, Hochglanzorgan des Deutschen Hochschulverbands, das jeden Monat seinen 28.000 organisierten Mitgliedern ungefragt zugestellt wird. Auch mir, jedenfalls noch bis Ende des Jahres, denn erst dann greift meine letzte Woche ausgesprochene Kündigung… → mehr lesen

Am Mittwoch den 09.12.2015 fand im T-Werk in Potsdam eine Podiumsdiskussion statt, bei der der Zusammenhang von Rassismus und der deutschen und niederländischen Blackfacing Tradition thematisiert wurde. Konkreter Anlass dieser Veranstaltung war die in Potsdam höchst emotional verlaufende Debatte um das Sinterklaasfest und vor allem dem Auftritt der Zwarten Pieten. Erfreulicherweise hat die Stadt Potsdam beschlossen dieses Fest nicht mehr finanziell zu unterstützen, sofern es weiterhin die rassistische Praxis des Blackfacing der Zwarte Pieten Figuren beinhaltet. Die Stadt Potsdam spricht sich somit gegen das Fortschreiben kolonialer Vermächtnisse aus…. → mehr lesen

Dezember 2015 fand in Potsdams Holländischem Viertel eine Sinterklaas Feier statt, die Zwarte Pieten Charaktere in Blackface involvierte. Obwohl die Veranstalter vorher wiederholt auf die Fragwürdigkeit dieser Praxis aufmerksam gemacht und Vorschläge für mögliche Alternativen an sie herangetragen wurden, weigerten sie sich davon abzulassen bzw. das ernsthafte Gespräch zu suchen. Es wurde jedoch bald deutlich, dass die lokale und internationale Kritik am Blackfacing ernst genommen werden und die Stadt Potsdam reagieren musste. In Folge der Proteste gegen diese umstrittene Tradition lud das Bündnis Potsdam bekennt Farbe, das für Toleranz, Gewaltfreiheit und ein friedvolles Miteinander steht, mehrere lokale Politiker_innen, die Veranstalter sowie Initiativen und Vereine, die diese rassistische Praxis verurteilen, ein. Gemeinsam sollen Lösungen gefunden werden. Wir begrüßten unsere Einladung an den Diskussionstisch sehr und das Interesse der Stadt Potsdam Rassismus zu thematisieren und eindeutig dagegen vorzugehen…

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Andreas Menzel ist ein Ingenieur aus Potsdam, der seit langen in die Lokalpolitik involviert ist. Lange war Andreas Menzel Mitglied der Grünen in Potsdam, ist da jedoch im März ausgeschlossen worden, weil es zu unterschiedliche Auffassungen gab, was die Forderungen einer Partei, deren Schwerpunkt auf Umweltschutz liegt, beinhalten sollten sowie persönliche Differenzen. Das heißt jedoch nicht, dass er nun aus der Politik aussteigt. Er hofft nun, dass die von ihm gestartete Debatte um das sogenannte M*Wort-Rondell der Auslöser für eine Auseinandersetzung mit der Brandenburgischen Kolonialgeschichte sein wird.

Uwe Prüfer arbeitet bei VENROB e.V. Dieser Verein bildet ein Netzwerk entwicklungspolitischer Gruppen, Initiativen und Vereine im Land Brandenburg.

Obwohl im benachbarten Berlin das Thema der Straßenumbenennung bzw. die Sensibilisierung für kolonial-rassistische Bezeichnungen bereits seit einigen Jahren sehr präsent ist, gab es derartige Debatten in Potsdam bisher nicht. Auch Andreas Menzels Wahrnehmung der Existenz und Problematik des so genannte M*Wort-Rondell kam eher zufällig: Beim Betrachten einer Karte des Parks Sanssouci fiel ihm die Bezeichnung M*Wort-Rondell ins Auge und er fragte sich, ob so etwas heutzutage überhaupt noch gesagt werden könnte… → mehr lesen

Wir freuen uns in einer Stadt zu leben, zu arbeiten und/oder zu studieren, die sich selbst erst vor wenigen Jahren ein neues Toleranzedikt gegeben hat, mit hohen und ehrbaren Werten wie Respekt, Toleranz und Solidarität. Diese Stadt spricht sich gleichzeitig gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit aus und es scheint ganz so, als wäre es ein allgemeines Anliegen den vielen Einflüssen anderer Kulturen mit Offenheit zu begegnen und für ein angenehmes Miteinander zu sorgen. So haben vor kurzem die PNN und die MAZ lobend erwähnt, dass in diesem Jahr das traditionelle holländische Sinterklaas Fest wieder stattfinden wird…

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