König Chulalongkorns Räuchergefäß

Neben dem chinesische Haus, das ein wahrer Blickfang ist, sehen wir den einzigen tatsächlich asiatischen Gegenstand in ganz Sanssouci. Es handelt sich um ein vergleichsweise unscheinbares Räuchergefäß aus Siam. Das Königreich Siam umfasste Teile des heutigen Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam. Siam wurde wegen des diplomatischen Geschicks seines Königs Chulalongkorn nie kolonisiert.

Räuchergefäß im Park Sanssouci
Das Räuchergefäß von König Chulalongkorn (Foto: Elisabeth Nechutnys)

Das Räuchergefäß auf der Wiese vor dem chinesischen Haus schenkte König Chulalongkorn dem Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch in Potsdam im Jahr 1897. Der Sohn des siamesischen Königs wollte in Heidelberg studieren. Chulalongkorn begleitete ihn bei seiner Anreise. Chulalongkorn nutzte die Gelegenheit, um europäische Königshäuser zu besuchen. Er musste sich sehr anstrengen, um die Unabhängigkeit seines Königreiches zu schützen. Deshalb war er auf Freundschaften mit europäischen Entscheidungsträger*innen angewiesen. Seinen Empfang in Preußen bewertete Chulalongkorn als freundlich. Er assistierte bei Militärparaden und Experimenten mit drahtlos Telegraphie. Er war aber enttäuscht, dass Wilhelm II. kein diplomatisches Engagement für die Unabhängigkeit Siams zeigte. Das Räuchergefäß steht also symbolisch für den Aufruf zur Unterstützung eines Landes, dem die Invasion fremder Großmächte drohte.

Chulalongkorn war in vielerlei Hinsicht erfolgreich. Dennoch musste er zwischen 1897 und 1908 Teile seines Territoriums an Frankreich und Großbritannien abtreten. In der Kriegssituation schaffte Chulalongkorn es nicht die mächtigen Eindringlinge fern zu halten. Materielle Geschenke reichten den Europäer*innen nicht mehr. Sie nahmen sich das Land, das sie wollten.

Text von Yann Le Gall, Übersetzung ins Deutsche von Anna von Rath

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